Preisverleihung Deutscher Bürgermedienpreis am 26. Februar 2018 Grußwort

Herzlichen Dank für die Einladung zu dieser Preisverleihung.
Ich freue mich, dass ich Frau Pepper, meine Kollegin aus Rheinland-Pfalz begrüßen kann, die mit mir und weiteren Direktoren sich innerhalb der DLM stark für die Bürgermedien einsetzt.

Herzlich willkommen, Frau Katrin Budde, Ausschussvorsitzende Medien und Kultur im Deutschen Bundestag. Herrn Dr. Ressmann und Herrn Ruda vom Bundesverband Bürgermedien gilt es zu danken als Veranstalter. In der Funktion als Vorsitzende des neu gegründeten Bundesverbandes sind diese gerade erst vor drei Stunden gewählt worden – also herzlichen Glückwunsch dem Führungsteam. Auch ein Gruß an Herrn Volker Bach von Alex als Gastgeber sowie an Herrn Dr. Musholt als bisherigen Gastgeber. Liebe Preisträger des heutigen Abends, meine sehr verehrten Anwesende und liebe TVZuschauer.

 

Aller guten Dinge sind drei und nun bin ich schon der vierte Redner. Und dann noch ein Mediendirektor – und wieso eigentlich ein Thüringer? Lassen Sie es mich kurz erklären.
Genauso wie das Thema Bildung ist das Thema Medien Angelegenheit der Länder. Und so wie in den Ländern öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, wie beispielsweise rbb, MDR, BR aber eben auch zahlreiche andere existieren, so sind im Bereich des Privatfernsehens und der Privatradios ebenfalls die Länder zuständig. Und um die elektronischen privaten Medien kümmern sich Landesmedienanstalten. Für die Bürgermedien – und dies ist an dieser Stelle wichtig – sind ebenfalls die Landesmedienanstalten verantwortlich. Wir sprechen hier von über ca. 180 Radio- und Fernsehsendern in der Bundesrepublik, die mit ca. 25 Millionen Euro pro Jahr von den Landesmedienanstalten unterstützt werden.
So erklärt es sich m. E., dass heute hier ein Direktor einer Landesmedienanstalt gebeten ist, bei dieser Preisverleihung ein Grußwort zu halten.
Es erklärt jedoch noch nicht, warum gerade der Thüringer hier steht. Ganz einfach: Arbeitsteilung im Kollegenkreis. Bei einem so schnelllebigen Geschäft der Medien macht es Sinn und es ist sogar zwingend notwendig, dass ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen der anderen Länder sehr eng zusammenarbeite. Meine Kollegin aus Rheinland Pfalz ist ja beispielsweise auch hier im Raum. Die Zusammenarbeit zwischen den Häusern ist sehr eng, wir treffen uns häufig und haben uns die Arbeit ein Stück weit aufgeteilt. Die Direktorenkonferenz hat drei Fachausschüsse gegründet, die von einem Koordinator geleitet werden. Bei einem davon, habe ich die Ehre, ihn zu koordinieren. Es geht in diesem u. a. um Lokale Vielfalt, also um das Thema der Bürgermedien. Um diese Anliegen kümmere ich mich zusammen mit meiner Kollegin aus Ludwigshafen und meinen beiden Kollegen aus Schwerin und Saarbrücken. So erklärt sich also, dass der Thüringer hier steht.

 

2.
Und aufgrund dieser bundesweiten Zusammenarbeit ist uns auch der Deutsche Bürgermedienpreis wichtig, den die Landesmedienanstalten aufgrund ihrer Zusammenarbeit auch gemeinsam finanziell unterstützen, so auch diesmal.
Ich werde öfter gefragt, was aus meiner Sicht die wichtigste Aufgabe von Landesmedienanstalten ist und welches Thema uns alle miteinander verbindet?
Wenn es ein Wort gäbe, welches wir alle auf ein Schild über unsere Eingangstüren hängen würden, wäre es das Thema der Medienvielfalt bzw. – verkürzt – VIELFALT.
Uns allen in den Landesmedienanstalten ist es wichtig, dass es mehrere Medien gibt, die die Themen unterschiedlich darstellen und so zur Meinungsvielfalt beitragen.
Meinungsvielfalt und die damit verbundene Auseinandersetzung um die beste Lösung im Sinne der Menschen unseres Landes ist der Kitt unseres Zusammenlebens.
Dies ist nicht immer einfach auszuhalten und Medien sind hier quasi als ”vierte Gewalt” aufgerufen, die Exekutive, Legislative und Judikative in ihrem Tun kritisch zu begleiten. Landesmedienanstalten sind dazu da, um die Arbeit der vierten Gewalt ein Stück weit zu garantieren. Und zur vierten Gewalt zählen auch Sie, die Bürgermedien.
An dieser Stelle möchte ich nicht verheimlichen, dass in den Ländern unterschiedliche Wege gegangen werden, die Medienvielfalt und die damit erhoffte Meinungsvielfalt zu erreichen. In einigen Ländern setzt man hierbei verstärkt auf Bürgermedien, in anderen Ländern weniger. Jedoch wird in allen Ländern auf einen Mix von mehreren Veranstaltern gesetzt, die die Vielfalt garantieren.
Diese Medienvielfalt zu garantieren fällt nicht so einfach vom Himmel, sondern muss täglich erarbeitet werden und dies – Viele wollen dies derzeit nicht hören – dies kostet auch Geld.
Lassen Sie mich drei Beispiele nennen.

 

1. Vertrauenskrise:
Aktuell ist häufig das Schimpfwort „Lügenpresse“ zu hören. Damit ist gemeint, dass die Medien angeblich nicht objektiv berichten, sondern Sachverhalte verdrehen oder bestimmte Tatsachen ganz verheimlichen.
Finden Sie, an dem Vorwurf der „Lügenpresse“ ist etwas dran, oder finden Sie das nicht? – wurde in der jüngsten Allensbach-Studie gefragt. 42 Prozent der Befragten finden, dass da etwas dran ist. Ein hoher Wert, fast jeder Zweite.

 

3.
Vor diesem Hintergrund wird von einigen Experten ein medienkritischer Journalismus gefordert. Die Journalisten sollten mehr Distanz zu den Mächtigen wahren, wird gefordert. Denn die Mehrheit der Medienmacher sei ähnlich sozialisiert wie viele Politiker und Lobbyisten.
Für den Wissenschaftler Michael Haller ist die Antwort auf die Krise klar: Er meint, Journalisten sollten wieder an handwerkliche Traditionen anknüpfen, die in den 60er und 70er Jahren deutlich ausgeprägter gewesen seien, als der Berufsstand erheblich mehr Distanz zu den politisch und wirtschaftlich Mächtigen wahrte. Journalismus kostet Zeit und Geld und ist nicht „nebenbei“ zu erledigen. Und bei dieser Diskussion, dass gute Arbeit in den Medien Zeit und Geld kostet, da dürfen wir die Bürgermedien nicht vergessen. Denn hier wird viel Arbeit am Rande der Selbstausbeutung geleistet.

 

2. Beitragsdiskussion
Die Landesmedienanstalten erhalten 1,89 % der Haushaltsabgabe. Diesbezüglich findet derzeit ein Diskurs statt. Aktuell hat die KEF in ihrem Bericht, der vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, den Beitragsanteil der Landesmedienanstalten kritisiert. Sie schlägt vor, dass die Landesmedienanstalten – analog dem Verfahren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – die benötigten Finanzmittel bei der KEF anmelden. Auch die Rechnungshöfe sehen die Finanzautonomie der Landesmedienanstalten kritisch. Sie prüfen uns und das ist auch gut so. Ich kenne wenige Fälle, bei denen man uns Fehler in Größenordnung vorwerfen kann. Sicher gilt: wer nichts macht, macht auch nichts verkehrt. Die Landesmedienanstalten verwenden ihre Mittel wirtschaftlich und sparsam für die ihnen zugeschriebenen Aufgaben. Allein die Bürgermedien und der Bereich der Medienbildung erhalten bei uns in Thüringen jeden zweiten Euro. In diesem Zusammenhang möchte ich auch mein Unverständnis ausdrücken, dass von einigen Ländern die Finanzierungsgrundlage der Landesmedienanstalten so kritisch gesehen wird. Mit Lizenzierung und Programmüberwachung, Medienkompetenz und Sicherung der Vielfalt, auch und gerade durch Bürgermedien, sind uns wichtige Aufgaben zugewiesen, die es zu finanzieren gilt. Dankbar bin ich für Politiker, wie z. B. dem Thüringer Ministerpräsidenten und auch seinem Minister in der Staatskanzlei, die eine Erhöhung des Anteils der Landesmedienanstalten im Kollegenkreis offen thematisieren.

 

3. Digitalisierung
Man könnte meinen, dass die sogenannten Herausforderungen der Digitalisierung längst gelöst sein müssten. Alles ist digital, analog ist abgeschaltet. Dieser Eindruck trügt. Vielmehr bringen die vielen parallel zu betreibenden Verbreitungswege ob per Kabel, Antenne, per IP oder App erhebliche Mehrbelastungen in finanzieller und personeller Hinsicht mit sich.
An dieser Stelle sind die vielen verschiedenen Social Media Kanäle – die es gleichzeitig zu bedienen gilt – noch gar nicht genannt.

 

4.
Gerade der Hörfunk steht mit dem Übergang von UKW zu DAB+ und gleichzeitiger Umstrukturierung der bisherigen UKW-Strukturen vor erheblichen Veränderungen und Herausforderungen. Kleine Radio- und Fernsehstationen können diese Herausforderungen allein nicht bewältigen.
Ich will an dieser Stelle nicht weiter vertiefen, sonst müssten Sie mit mir die nächsten 30 Minuten vorlieb nehmen, vielmehr ist es mir wichtig, zu verdeutlichen und zu versichern, dass die Landesmedienanstalten zusammen mit den Bürgersendern aktuelle und zukünftige Herausforderungen meistern werden.
Und dies sage ich unter der Gewissheit, dass uns dies in den letzten mehr als 30 Jahren bereits erfolgreich gelungen ist.
Und mit dieser positiven Gewissheit freue ich mich auf die Preisverleihung, weil die heutigen Preisträgerinnen und Preisträger ihren Beitrag zum Gelingen geleistet haben und dies sicherlich auch weiter tun werden.

 

Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Jochen Fasco